Rechnungslegung: Deutschland vs. Frankreich

Einige der größten Unterschiede zwischen der deutschen und der französischen Rechnungslegung finden sich in der Darstellung des Jahresabschlusses sowie in den Bewertungsmethoden. Hier präsentieren wir euch eine (nicht abschließende) Aufzählung der französischen Eigenheiten gegenüber der deutschen.

france Germany

 

In der Bilanz des französischen Jahresabschlusses…

… wird die Restlaufzeit von Forderungen & Verbindlichkeiten NICHT angegeben (nur im Anhang)

… kann das Eigenkapital einen negativen Betrag aufweisen

… werden geringwertige Wirtschaftsgüter als Aufwand in der GuV bilanziert

… werden Investitionszuschüsse direkt als außerordentlichen Ertrag oder als Sonderposten in den Passiva bilanziert

… sind Provisions règlementées ein steuerlich motivierter Posten

 

In der französischen Gewinn- & Verlustrechnung…

… wird nicht funktional, sondern nach Aufwandsart gegliedert

… gibt es vorgeschriebene Zwischensummen

… gibt es ein umfangreiches außerordentliches Ergebnis

… befinden sich Skonti im Finanzergebnis

… werden Bestandsveränderungen separat ausgewiesen

… bewegen sich Rückstellungen jeweils mit der Zuführung oder Auflösung

Rechnungslegung: Deutschland vs. Frankreich

Bewertung immateriellen Anlagevermögens

§ Kosten der ersten Niederlassung oder Gründungskosten können aktiviert oder – vorzugsweise – als Aufwand verbucht werden

§ Firmen- und Geschäftswerte werden – anstelle einer Abschreibung – durch einen Impairment Test mit allfälliger Wertberichtigung bewertet

 

Bewertung von Sachanlagevermögen

§ Ausschlaggebend für Abschreibungen ist die wirtschaftliche Nutzungsdauer

§ Für bestimmte Sachanlagen ist eine degressive steuerliche Abschreibung möglich: Die Differenz wird unter den Passiva als amortissement dérogatoire ausgewiesen

§ Für die Anschaffungskosten von Immobilien oder Beteiligungen besteht ein Wahlrecht zur Aktivierung oder zur Verbuchung als Aufwand

 

Bewertung der Vorräte

§ Vorräte können nach FIFO oder nach gewogenem Durchschnittspreis bewertet werden

§ Vorräte werden nicht zu Nettowerten (nach Wertberichtigung), sondern zu ursprünglichen Kosten bewertet

§ Bei langfristigen Verträgen besteht das Wahlrecht zwischen Percentage of Completion (bevorzugt) und Completed Contract

Bewertung von Rückstellungen

§ Die Verpflichtung zur Rückstellung muss bereits vor dem Bilanzstichtag eingegangen sein resp. bestanden haben

§ Pensionsrückstellungen sind nicht verpflichtend, jedoch muss ihr allfälliges Fehlen im Angang vermerkt werden.

Bewertung latenter Steuern

§ Der Ausweis latenter Steuern ist nur bei Konzernabschlüssen Pflicht – ansonsten besteht das Wahlrecht

§ Bei Einzelabschlüssen unüblich

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